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DRG-System als Instrument zur Marktbereinigung

Ein sehr lesenswerter Artikel von Prof. Simon im Deutschen Ärzteblatt zum G-DRG-System. Der Autor stellt dar, dass zwei teilweise gegensätzlich treibende Kräfte im Krankenhausmarkt am Werke sind:

  1. Krankenhausbedarfsplanung (Länder)
  2. Wirtschaflicher Druck durch Unterfinanzierung im DRG-System

DRG vs. Krankenhausplanung

Einerseits haben die Länder die Pflicht, den Versorgungsbedarf mit Krankenhausleistungen zu bestimmen und eine entsprechende Versorgungsstruktur zu planen, zu schaffen und zu finanzieren. Andererseits wird die Krankenhausfinanzierung überwiegend durch das G-DRG-System besorgt. Dieses System orientiert sich rein an den durchschnittlichen Behandlungskosten und berücksichtigt keine Bedarfsplanung.

Da viele Bundesländer ihre Zahlungsverpflichtung für die Investitionskosten seit Jahren nicht mehr nachkommen, sind die wirtschaftliche Geschicke der Häuser stark mit der DRG-Vergütung verknüpft. Dass viele Krankenhäuser dadurch unterfinanziert werden und in wirtschaftliche Not geraten sind, ist dabei ein geplanter Effekt. „Marktbereinigung“ heißt es unter Hinweis auf die rekordverdächtige Bettendichte in Deutschland von Gesundheitsökonomen und von der GKV.

Bettendichte

Nun ist tatsächlich die hohe Bettendichte ein Grund, sich zu fragen, ob „es auch etwas weniger sein darf“. Nach Bereinigung um die einzigartig hohe Reha-Bettendichte hat die Bundesrepublik Platz 7 in der OECD inne. Prof. Simon stellt dabei zu Recht die Frage, ob aber eine systematische Unterfinanzierung das richtige Instrument für eine Marktbereinigung sein kann. Es ist nämlich nicht planbar, welche Krankenhäuser genau den Druck nicht standhalten können und letztlich vom Markt verschwinden. Ob dabei letztlich der Versorgungsbedarf auch gedeckt bleibt ist dem Zufall überlassen, so lange blind und nur auf der Basis von Durchschnittskosten gesteuert wird.

Auch die OECD hinterfragt kritisch die Versorgungsdichte in Deutschland, stellt aber gleichzeitig die Regulierung durch ein rein ökonomisches System in Frage: Deutschland ist das einzige Land weltweit, dass sein Krankenhäuser nahzu ausschließlich über DRG finanziert. Die Organisation regt an, die enorme Menge an Informationen über Versorgungsqualität, über die Deutschland verfügt, für die Steuerung der Versorgungsdichte zu nutzen. (Die OECD hat im April 2013 ein Positionspapier zur Versorgungsdichte in Deutschland herausgegeben. Hier finden sie die Zusammenfassung und hier das komplette Positionspapier)

Der Verfasser des Artikels im Ärzteblatt fordert eine deutliche Abwertung der Bedeutung der DRG und die Ergänzung um anderen Vergütungsmodi. In der online Diskussion verteidigt Dr. Baller das DRG-System. Eins ist klar: Es grummelt in der Krankenhauswelt und die finanzielle Situation der Krankenhäuser muss sich ändern.

Wie sehen Sie die Lage? Haben Sie eine Idee, wie man den Problemen der Unterfinanzierung begegnen sollte? Ihre Meinung würde uns interessieren!

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